Rettung "aus dem Seil"
Es gibt mehrere Methoden, um einen "im Seil" hängen gebliebenen Kameraden daraus zu befreien. Abhängig von körperlichen Vorraussetzungen, vom eigenen Befahrungsmaterial oder dem des Kameraden muss die Methode angewendet werden, die in der jeweiligen Situation die schnellste Befreiung gewährleistet. Es bleiben nur ein paar Minuten Zeit bis zum eintreten eines Hängetraumas!
All diese Techniken bedürfen gründlicher Übung unter erfahrener Anleitung. Es reicht nicht, darüber nur mal gelesen zu haben!
Methode "Flaschenzug"
Eine Methode, die auch von Rettern (R) durchgeführt werden kann, die selbst körperlich leichter sind als der zu rettende Kamerad (K). Sie kann also von fast jedem Befahrungsteilnehmer angewendet werden. Als einzige Vorraussetzung muss ein Karabiner und eine 5 Meter lange Reepschnur (8 mm) mitgeführt werden.
- "R" steigt an "K" heran und hängt sich mit seiner eigenen Bruststeigklemme zwischen die Bruststeigklemme und Handsteigklemme von "K".
- "R" hängt in sein eigenes, zentrales Schraubglied die kurze Sicherungslongue von "K" ein.
- "R" schiebt die Handsteigklemme von "K" soweit nach oben, dass er sie grade noch bedienen kann.
- "R" hängt die Reepschnur mittels Karabiner in die Handsteigklemme von "K" ein,
- fädelt das lose Ende der Reepschnur durch das zentrale Schraubglied von "K"
- und durch den Karabiner an der Handsteigklemme von "K".
- "R" hängt seine eigene Handsteigklemme in das lose Ende der Reepschnur.
- Dabei zieht "R" die Reepschnur bereits möglichst straff an und schiebt seine Handsteigklemme als Rücklaufsperre an den Karabiner heran.
- "R" stellt sich in seine eigene Fussschlinge und hebt so "K" mit dem improvisierten Flaschenzug an. Dabei befreit "R" die Bruststeigklemme von "K" aus dem Seil.
- "R" entlastet den Flaschenzug jetzt soweit, bis dieser wieder von seiner eigenen Handsteigklemme blockiert wird. "K" hängt nun im Flaschenzug, gesichert durch seine kurze Longue im zentralen Schraubglied von "R".
- "R" entfernt die Verbindung zwischen "K's" Handsteigklemme und zentralem Schraubglied.
- "R" hängt sich in seinen eigenen Abseiler ein und blockiert diesen. Da dieser nun zwei Personen zu tragen hat, sollte das abwärts gehende Seil noch zusätzlich durch einen Karabiner geführt werden. So kann die Bremswirkung erheblich erhöht werden.
- "R" entlastet den Flaschenzug und lässt "K" soweit ab, bis er in seiner kurzen Longue hängt.
- "R" baut den Flaschenzug aus und seilt mit "K" ab.
- Am Boden darf "K" auf keinen Fall hingelegt oder in Schocklage gebracht werden! "K" muss unbedingt in eine sitzend/kauernde Stellung gebracht werden!
Methode "Abschneiden"
Diese Methode funktioniert noch wesentlich schneller und kann garantiert auch von körperlich Schwachen ausgeführt werden. Wenn es die Verhältnisse zulassen (Training, Material) sollte sie bevorzugt werden! Statt einem Messer sollte unbedingt eine Schere (Rettungsschere, Gartenschere ...) verwendet werden!
Von unten kommend:
- "R" knotet in sicherer Position am Boden das lose Seilende in einen Schraubkarabiner.
- Anschließen hängt "R", immer noch in sicherer Position am Boden, direkt unter dem Karabiner seinen Abseiler in das Seil und blockiert diesen.
- Nun erst steigt "R" zu "K" auf!
- "R" hängt in sein eigenes, zentrales Schraubglied die kurze Sicherungslongue von "K" ein.
- "R" durchschneidet die Verbindung zwischen "K's" Handsteigklemme und zentralem Schraubglied.
- "R" hängt das lose Seilende mittels Karabiner in die Handsteigklemme von "K" ein, und schiebt sie soweit wie möglich nach oben.
- "R" umklammert mit seinen Beinen "K" und durchschneidet über "K's" Bruststeigklemme das Seil.
- "R" lässt "K" nun vorsichtig aus der Beinumklammerung herab und kann mit ihm abseilen.
- Am Boden darf "K" auf keinen Fall hingelegt oder in Schocklage gebracht werden! "K" muss unbedingt in eine sitzend/kauernde Stellung gebracht werden!
Von oben kommend, am selben Seil:
- "R" steigt mittels seinen Steigklemmen zu "K" herab.
- "R" hängt in sein eigenes, zentrales Schraubglied die kurze Sicherungslongue von "K" ein.
- "R" durchschneidet die Verbindung zwischen "K's" Handsteigklemme und zentralem Schraubglied.
- "R" zieht unter "K" das Seil ein Stück nach oben, knotet eine Schlaufe (z.B. 8er-Knoten) und hängt ihn mittels Schraubkarabiner in die Handsteigklemme von "K".
- Nun hängt "R" seinen Abseiler unterhalb "K's" Handsteigklemme in das abwärts führende Seil und blockiet diesen.
- "R" hängt sich in seinen Abseiler und löst seine Steigklemmen.
- "R" umklammert mit seinen Beinen "K" und durchschneidet erst unter, dann über "K's" Bruststeigklemme das Seil.
- "R" lässt "K" nun vorsichtig aus der Beinumklammerung herab und kann mit ihm abseilen.
- Am Boden darf "K" auf keinen Fall hingelegt oder in Schocklage gebracht werden! "K" muss unbedingt in eine sitzend/kauernde Stellung gebracht werden!
Von oben kommend, am 2. Seil:
- "R" seilt sich an einem zweiten Seil zu "K" herab.
- "R" hängt in sein eigenes, zentrales Schraubglied die kurze Sicherungslongue von "K" ein.
- "R" hängt "K's" Handsteigklemme aus.
- "R" umklammert mit seinen Beinen "K" und durchschneidet über "K's" Bruststeigklemme das Seil.
- "R" lässt "K" nun vorsichtig aus der Beinumklammerung herab und kann mit ihm abseilen.
- Am Boden darf "K" auf keinen Fall hingelegt oder in Schocklage gebracht werden! "K" muss unbedingt in eine sitzend/kauernde Stellung gebracht werden!